Springe direkt zu Inhalt

Erfolgreicher Workshop "Critical Agrarian Studies"

Der GLOCON-Workshop „Critical Agrarian Studies“ mit Beiträgen von Haroon Akram-Lodhi (Trent University, Canada), Ray Bush (University of Leeds, UK), Deborah Johnston (University of London, UK), Robin Thiers (Ghent University, Belgien) und Henry Veltmeyer (Saint Mary’s University, Halifax, Canada) am 12. Mai 2017 war ein voller Erfolg!

News vom 24.05.2017

„Land Grabbing“ und damit einhergehende Konflikten sind aktuell Gegenstand einer intensiven wissenschaftlichen und politischen Debatte. Im Rahmen globaler Transformationsprozesse haben Investitionen in Land in den letzten zehn Jahren deutlich zugenommen. Trotzdem ist der Wandel von Zugang zu und Nutzung von Land kein neues Phänomen. Darauf verweisen Arbeiten aus dem Feld der „Critical Agrarian Studies“, die sich bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten aus kritischer politökonomischer Perspektive mit der Transformation ländlicher Räume und insbesondere dem Wandel der Landnutzung zugunsten von Inwertsetzen befassen.

Welchen Nutzen, aber auch welche Grenzen die Critical Agrarian Studies für die Analyse aktueller Konflikten um die Ausweitung der Agrarindustrie und des Bergbaus haben, diskutierte das GLOCON-Team in einem eintägigen Workshop mit Teilnehmer*innen aus Argentinien, Kolumbien, Mexiko, Kanada, den Philippinen, Großbritannien, Belgien und Deutschland.

Die zentralen Fragen des Workshops waren:

  • Wie können wir Konflikte um Land anhand der Perspektive der Critical Agrarian Studies analysieren?
  • Welche Ansätze aus den Critical Agrarian Studies können wir auf die Analyse von Bergbau übertragen?
  • Welchen Beitrag leisten die Critical Agrarian Studies zum Verständnis des Verhältnisses von ‘lokal‘ und ‚global‘?

 

In seiner Einführung erläuterte Haroon Akram-Lodhi, dass die Critical Agrarian Studies vor allem in den Blick nehmen, wie sich Produktions- und Akkumulationsregime in der Landwirtschaft wandeln, wie also kapitalistische Verhältnisse die landwirtschaftliche Produktion durchdringen. Damit verbunden ist die Frage, wie sich dabei Arbeit, Klassenverhältnisse und die Sicherung des Lebensunterhalts der ländlichen Bevölkerung ändern. Politisch geht es den Critical Agrarian Studies um die Transformation bestehender Verhältnisse, darum Alternativen aufzuzeigen und soziale Bewegungen zu unterstützen.

Ray Bush zeigte in seiner Präsentation, welche Ursachen von Konflikten im Zusammenhang mit der Transformation ländlicher Räume die Critical Agrarian Studies aufdecken: Ungerechtigkeit, Veränderungen von Klassenverhältnissen, Armut oder Enteignung.

Dass sich die Probleme der Transformation des ländlichen Raums nicht nur auf Landwirtschaft, sondern auch auf Bergbau beziehen, zeigte Robin Thiers in seinem Beitrag. Er veranschaulichte, welche Anknüpfungspunkte die Critical Agrarian Studies für die Analyse der Folgen von und Konflikte um Bergbau bieten u.a. hinsichtlich von Arbeitsverhältnissen, Produktionsmustern, Armut oder generell der Ausweitung kapitalistischer Durchdringung.

Henry Veltmeyer betonte in seinem Vortrag die Verknüpfung von globalen und lokalen Prozessen. So ließen sich im Zeitalter des Neoliberalismus viele Enteignungen von Land, zugleich aber auch lokaler Widerstand dagegen beobachten. Soziale Bewegungen beziehen sich in ihrem Protest auf den globalen Neoliberalismus und formulieren Alternativen. Deborah Johnston lenkte in ihrem Kommentar den Fokus auf globale Wertschöpfungsketten und die Frage, inwiefern über fair trade-Zertifizierungen Verbesserungen in den Arbeitsverhältnissen und weiteren sozialen Bedingungen vor Ort zu erreichen seien. Entscheidend hierfür sei die Frage, wer über die Ausgestaltung von Fair Trade entscheidet, wer die Standards durchsetzt und wer davon profitiert.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Critical Agrarian Studies über ein enormes Potenzial für die Analyse der Transformation ländlicher Räume sowie damit verbundener Konflikte verfügen. Ihre Stärke liegt insbesondere darin, historische Entwicklungen und strukturelle Verhältnisse auf der Makroebene sowie ihre Bedeutung für Konflikte um Land zu identifizieren. Die zentrale Herausforderung für die empirische Analyse besteht nun darin, einerseits nicht in Ökonomismus und Strukturdeterminismus zu verfallen und andererseits nicht in der Kontingenz des Falls zu verharren.

Der Workshop war ein voller Erfolg und wir danken allen Teilnehmer*innen für ihre inspirierenden Beiträge sowie die kontroversen und erhellenden Diskussionen.

22 / 30
BMBF
DFG